Sa.. März 7th, 2026
Sagrada-Familia. Foto: Ulrich HorbSagrada-Familia. Foto: Ulrich Horb
Blick von der Sagrada Família. Foto; Ulrich Horb
Blick von der Sagrada Família. Foto; Ulrich Horb

Nun ist sie die höchste Kirche der Welt: Die Sagrada Família in Barcelona hat im Februar 2026 ihre endgültige Höhe von 172,5 Metern erreicht und überragt damit das Ulmer Münster, bislang mit dem höchsten Kirchturm ausgestattet, um gut zehn Meter. Möglich wurde das durch die Fertigstellung eines begehbaren Glaskreuzes an der Spitze der Sagrada Família.

Begonnen wurde der Bau der ungewöhnlichen Kirche am 19. März 1882. Aber ganz fertig ist sie mehr als 140 Jahre später noch immer nicht. Fachleute rechnen mit weiteren zehn Jahren Bauzeit.

Am 10. Juni 2026 jährt sich bereits zum 100. Mal der Todestag des Architekten Antoni Gaudí (1852 bis 1926), dessen Pläne hier verwirklicht werden. An diesem Tag soll der Turm Jesu Christi mit dem fast 100 Tonnen schweren Kreuz aus Stahl und Glas eingeweiht werden. Für die Öffentlichkeit soll das Kreuz dann ab 2027 zugänglich sein. Hergestellt hat die Konstruktion die Firma Gartner GmbH aus dem bayerischen Gundelfingen an der Donau.

Sagrada Família. Foto; Ulrich Horb
Sagrada Família. Foto; Ulrich Horb

Sagrada Família ist die Kurzbezeichnung für die Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família, zu Deutsch: Basilika und Sühnetempel der Heiligen Familie. Josep Maria Bocabella, Inhaber einer religiösen Buchhandlung und Autor christlicher Schriften begann 1866 damit, Spendengelder für den Bau einer Kirche zusammeln.1881 konnte der Bauplatz mit 12.800 m² Grundfläche erworben werden, die Grundsteinlegung für eine eher schlicht geplante Kirche erfolgte am 19. März 1882. Nach Zerwürfnissen zwischen den beteiligten Planern wurde das Projekt Antoni Gaudi übertragen, Mitarbeiter eines der beteiligten Statikers, der die im Bau befindliche Krypta nach alten Vorlagen beendete. Gaudi ließ es dabei aber nicht bewenden, sondern entwickelte Pläne für einen Weiterbau im gotischen Stil mit 18 Türmen.

Eine großzügige Spende ermöglichte 1894 die Fortführung der Arbeiten an einer 18-türmigen und 5-schiffigen Basilika. Gaudi starb 1926 noch bevor die nach Nordosten ausgerichtete Geburtsfassade fertig war. Erst 1935 wurde sie beendet, aber schon im Spanischen Bürgerkrieg wieder teilweise zerstört. Freunde und ehemalige Mitarbeiter Gaudis rekonstruierten später die zum Teil verloren gegangenen Pläne und Modelle. Ab 1950 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen, 1976 konnten die vier Aposteltürme über der „Passionsfassade“ fertiggestellt werden, 2021 wurde der Marienturm vollendet, 2022 und 2023 waren die Evangelistentürme fertig.

Der Bau vereint unterschiedliche Stilrichtungen von Neugotik bis Moderne, geprägt von Gaudi und dessen katalanischem Jugendstil mit seinen farbenfrohen Mosaiken und natürlichen Formen. Geschwungene Dachkonstruktionen und organisch wirkende Türme und Fassadenelemente machen die Kirche einzigartig.

Casa Batlló von Gaudí. Foto; Ulrich Horb
Casa Batlló von Gaudí. Foto; Ulrich Horb

Die Sagrada Família ist zum Wahrzeichen Barcelonas geworden, Geburtsfassade und Krypta der Sagrada Família wurden 2005 von der UNESCO mit in die Liste des Weltkulturerbes mit Arbeiten von Antoni Gaudí aufgenommen. Geweiht wurde die Kirche 2010 von Papst Benedikt XVI., der sie zur Basilica minor erhob. Jährlich zieht die Sagrada Família rund 4,5 bis 4,7 Millionen Besucher an, täglich sind es bis zu 15.000. Ihre Eintrittsgelder tragen zur Finanzierung des Weiterbaus bei. In Barcelona sind weitere Bauten und Parkanlagen von Gaudi zu finden: Casa Milà (La Pedrera), Palau Güell, Park Güell, Casa Batlló, Casa Vicens und Casa Calvet

Placa d espanya. Foto: Ulrich Horb
Placa d espanya. Foto: Ulrich Horb

Barcelona entwickelte sich aus der vor rund 2000 Jahren gegründeten iberischen Siedlung Barkeno und hatte eine wechselvolle Geschichte. Römer, Westgoten, Mauren, Karolinger bestimmten zeitweise die Geschicke. Im 19. Jahrhundert nahm Barcelona mit der industriellen Entwicklung einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, dessen Zeugnisse noch heute sichtbar sind. 1888 fand die Weltausstellung hier statt. Zuletzt prägten auch die Olympischen Sommerspiele 1992 Barcelonas Entwicklung. 2026 ist Barcelona von der Internationalen Architektenunion (UIA) in Partnerschaft mit der UNESCO zur Welthauptstadt der Architektur ernannt worden. Gewürdigt werden damit nicht nur Gaudis Werke in Barcelona sondern auch die Verbindung von architektonischem Erbe und modernen Bauten.

Erst seit dem Ende der Franco-Diktatur 1975 sind die katalanische Kultur und Sprache nicht mehr verboten. In Barcelona trifft man an vielen Orten auf traditionelle katalanische Kunst und Musik.

Parc Güell. Foto: Ulrich Horb
Parc Güell. Foto: Ulrich Horb

2025 lagen die Besucherzahlen in Barcelona so hoch wie in bedeutenden internationalen Metropolen. Die Stadtverwaltung von Barcelona geht von täglich 170.000 Touristinnen und Touristen aus, die für 15 Prozent der Wirtschaftskraft sorgen. In der Stadt ist der Protest dagegen gewachsen, denn die Umwandlung von Wohnungen in Ferienappartements verdrängt alteingesessene Familien, die Preise steigen, Verkehrsmittel sind überfüllt. Geschäfte des Alltagsbedarfs weichen den besser zahlenden Souvenirshops. Die Stadt reagiert mit einem Verbot von Ferienwohnungen bis 2029, die Touristensteuer wird zum 1. April 2026 auf bis zu 15 Euro pro Nacht verdoppelt. Neue Hotels dürfen nicht mehr in der Stadtmitte öffnen, die Ballung von Touristen soll vermieden werden. Die Zahl der Kreuzfahrtschiffe soll bis 2030 deutlich reduziert werden.

Barcelona ist attraktiv für junge Europäerinnen und Europäer. Die Stadt ist lebendig, multikulturell, sie hat ein attraktives Kultur- und Unterhaltungsangebot, ein reichhaltiges Nachtleben, ist Anziehungspunkt für zahlreiche Kreative. Und die Stadtverwaltung unternimmt alle Anstrengungen, um Barcelona zur Stadt der Zukunft zu entwickeln, umweltgerechter und nachhaltiger,

 

 

 

Von Ulrich Horb

Jahrgang 1955, lebt und arbeitet als Journalist und Fotograf in Berlin

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