Cover "Wie ein fernes Lied"
Cover „Wie ein fernes Lied“

Die Geschichte hat alles, was ein üblicher Frauenroman braucht: Zwei  Liebesgeschichten, zeitversetzt um 60 Jahre,  viel Gefühl und Dramatik.  Aber Micaela Jary erzählt in ihrem Roman „Wie ein weites Land“ auch die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die sich dem Hitler-Regime zu entziehen suchte, die ihren Traum von Freiheit und Unabhängigkeit leben wollte. Die Musik brachte sie zusammen: der Swing. Diese Swingjugend ist keine Erfindung der Romanautorin. Es gab sie wirklich, in Hamburg, aber auch in Berlin.

„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ sang Zarah Leander Anfang der vierziger Jahre in einem UFA-Film. Komponiert hatte den Hit Michael Jary, dessen Konzert zum Hochschulabschluss 1933 von Nazis noch als  „kulturbolschewistisches Musikgestammel eines polnischen Juden“ diffamiert worden war.  Jary überlebte die Nazi-Zeit, auch Swing und Jazz pflegte er weiterhin, wenn auch nicht  allzu öffentlich. Sein  Kammertanzorchester Michael Jary beeinflusste zahlreiche  Musiker.

Der Roman seiner Tochter Micaela Jary erzählt die Geschichte der Sängerin Marga und eines kleinen Ensembles, das auf verschiedenen Stationen zur Truppenbetreuung eingesetzt wird. ihre Liebe gehört dem verbotenen Swing, der für sie mit Freiheit verbunden ist.   Die junge Sängerin selbst ist noch auf der Suche nach einer anderen Liebe:  Ihr jüdischer Freund, ebenfalls Mitglied der Swingjugend, hat sich vor den Nazis ins Ausland abgesetzt. Fast 60 Jahre später nimmt eine andere junge Sängerin die Fäden dieser Geschichte auf und erfährt mehr über die Sängerin Marga und ihre Jugendliebe. Micaela Jary erzählt von der Musik, von Jugend, von Hoffnungen, Krieg, Verfolgung und Überleben. Sie begibt sich damit auch auf die Spuren ihres Vaters und seines Orchesters.

Micaela Jary, Wie ein fernes Lied, Piper Taschenbuch  2015, 544 Seiten, EURO 9,99, ISBN-13: 978-3492306133