Gemeindehaus. Foto: Ulrich Horb
Prager Gemeindehaus. Foto: Ulrich Horb

zum Fotoalbum Prag. 1895 wurde in München die Kunst- und Literaturzeitschrift „Jugend“ gegründet. Ihr Name und ihr Stil prägten eine ganze Kunstrichtung, die sich Ende des 19. Jahrhunderts vom rückwärtsgewandten Historismus abgrenzte, in einigen Ländern als Art nouveau bekannt wurde, im tschechischen als Secese. In Prag hat der Jugendstil  zahlreiche beeindruckende Spuren hinterlassen.

Einen Künstler, der viel dazu beigetragen hat, würdigt ein kleines Museum in der Panská 7. Alfons Maria Mucha, 1860 im mährischen Ivančice  geboren,  ging als 19jähriger nach Wien, um als Bühnenmaler zu arbeiten. Für den  Grafen Khuen Belasi gestaltete er dort das Innere eines Schlosses, mit dessen zeitweiliger finanzieller Unterstützung studierte Mucha in München Kunst, zog zwei Jahre später nach Paris, wo er die Fortsetzung seines Studiums als Illustrator für Zeitschriften finanzierte. Ein Plakat, das er 1894 für die Schauspielerin Sarah Bernhardt entwarf, führte zu einer langjährigen Zusammenarbeit und begründet den Ruhm Muchas.

Mucha-Museum. Foto: Ulrich Horb
Mucha-Museum. Foto: Ulrich Horb

Das Museum zeigt auf 500 Quadratmetern den 1939 in Prag verstorbenen Mucha in seiner ganzen Vielseitigkeit als Illustrator und Zeichner, als Maler großformatiger Ölgemälde, als Bildhauer und Fotograf, als Gestalter von Läden und Inneneinrichtungen, von Briefmarken und Banknoten. Seine dekorativen Plakatserien, die noch heute in vielen Wohnungen zu finden sind,  zeigen die vier Künste, die vier Tageszeiten oder die vier Blumen. Ein Glasmosaik Muchas ist im Veitsdom zu sehen. In zwanzig großformatigen Bildern, die zwischen 1911 und 1928 entstanden, zeigte Mucha Szenen aus der tschechischen und slawischen Geschichte, um das slawische Nationalbewusstsein zu stärken. Er arbeitete dabei die protestantischen Traditionen heraus und betonte vor allem den friedlichen Charakter.

Gemeindehaus. Foto: Ulrich Horb
Gemeindehaus. Foto: Ulrich Horb

Mucha hat auch an der Gestaltung des Gemeindehauses am Platz der Republik mitgewirkt, das zwischen 1906 und 1912 errichtet wurde und mit seinen auffälligen Fassadengemälden zwischen 1994 und 1997 restauriert wurde. Hier wurde 1918 die Republik ausgerufen, 1989 trafen hier das Bürgerforum um Václav Havel und die kommunistische Regierung zu ersten Gesprächen zusammen. Heute finden hier regelmäßig Konzerte oder das Festival Prager Frühling statt.

Ein Caféhaus im Gemeindehaus lädt zum Verweilen ein, nicht weit davon entfernt gibt es mit dem „Imperial“ ein weiteres Café mit Jugendstil-Flair. Und am Wenzelsplatz bietet das Café in der Lucerna-Passage seine Spezialitäten an.

Lucerna-Passage. Foto: Ulrich Horb
Lucerna-Passage mit
umgedrehten Wenzels-Denkmal.
Foto: Ulrich Horb

Erbaut wurde die Lucerna-Passage zwischen 1907 und 1921 nach Plänen von Vácslav Havel, dem Großvater des späteren Schriftstellers, Bürgerrechtlers und ersten Präsidenten der demokratischen Republik. In der Halle schwebt über dem Eingang zum Jugendstil-Kino ein  Ritter, der auf einem verkehrt herum aufgehängten Pferd sitzt  – die Umkehrung des Wenzels-Denkmals, geschaffen von dem tschechichen Künstler David Černý, der mit seinen satirisch-provokanten Arbeiten an vielen Orten in der Stadt zu finden ist.

Der Jugendstil ist allgegenwärtig in Prag. Im Hauptbahnhof ist noch die alte 1901-1909 von Josef Fanta errichtete Haupthalle mit ihren Verzierungen erhalten, eine ganze Reihe von Hotels wie etwa das Hotel Central in der Hybernska haben reiche Fassadenverzierungen.

 

Decke des Café Imperial. Foto: Ulrich Horb
Decke des Café Imperial. Foto: Ulrich Horb
Jerusalemssynagoge. Foto: Ulrich Horb
Jerusalemssynagoge. Foto: Ulrich Horb

Und auch die Jerusalemssynagoge in der Jeruzalemska 3, 1906 von Vilem Stiassny errichtet, beeindruckt mit ihren nordafrikanischen Stilelementen.