Ludwigsburger Schlossgarten. Foto: Ulrich Horb
Ludwigsburger Schlossgarten. Foto: Ulrich Horb

Den Aufschwung ließ sich Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg etwas kosten: Fünfzehn Jahre Steuerfreiheit und kostenlosen  Grund und Boden versprach er 1718 denen, die sich in Ludwigsburg niederlassen wollten. Allerdings mussten die künftigen Ludwigsburger den strengen Anforderungen des Herzogs entsprechen, durften keine Bauern sein und mussten zumindest über etwas eigenes Vermögen verfügen. Die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger sollten schließlich etwas hermachen, denn hier entstand die neue Residenz. 2018 feiert Ludwigsburg nun 300-Jähriges Stadtjubiläum.

1704 hatte der Herzog in Ludwigsburg zunächst nur ein Jagdschloss errichten lassen. Aber dem Zeitgeist folgend wollte auch der Württemberger Herrscher, wie der französische König in Versailles, über ein großes Schloss vor den Toren der Stadt, in diesem Fall Stuttgart, verfügen. So wurde Ludwigsburg, rund 13 Kilometer vom heutigen Zentrum der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart entfernt, ab 1709  ausgebaut.

Das Residenzschloss mit seinen Gärten und ein großer rechteckiger Marktplatz mit zwei gegenüberliegenden Kirchen, der katholischen Kirche zur Heiligsten Dreieinigkeit und der evangelischen Stadtkirche, zeugen noch heute von der Planung am Reißbrett. Die Bevölkerung bestand zunächst eher aus Tagelöhnern, die beim Ausbau des Schlosses halfen, und Bediensteten des Hofes. 1718 verlegte Herzog Eberhard Ludwig den Regierungssitz nach Ludwigsburg und erzwang  den Umzug der Beamten. Erst danach begann das Wachstum der Stadt.

Ludwigsburger Schloss. Foto: Ulrich Horb
Ludwigsburger Schloss. Foto: Ulrich Horb

Für Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg (18. September 1676 – 31. Oktober 1733)  hatte der neue Regierungssitz noch einen weiteren Vorteil: Hier konnte er ungestört mit seiner Geliebten Wilhelmine von Grävenitz (1686 – 1744) zusammenkommen, während die Gattin in Stuttgart weilte. Trotz seiner bestehenden Ehe mit Johanna Elisabeth von Baden-Durlach,  die aus machtpolitischen Erwägungen geschlossen worden war, heiratete Eberhard Ludwig 1707 heimlich Wilhelmine von Grävenitz, um ihre Stellung am Hofe abzusichern.

Nach heftigen Protesten und außenpolitischen Verwicklungen musste er die „Zweitehe“ aber wieder lösen.  1708 kehrte Wilhelmine von Grävenitz aus einem kurzzeitigen Exil zurück, heiratete zum Schein einen siebzigjährigen herzöglichen Kammerherrn, sie wurde reich mit Ländereien beschenkt und bekam bedeutenden Einfluss auf die politischen Entscheidungen des Herzogs.  Eine Intrige beendete das Verhältnis 1731, zwei Jahre vor dem Tod des Herzogs. Wilhelmine von Grävenitz starb 1744 im Berliner Exil. In der Ludwigsburger Marstallstr. 5 nahe dem Schloss erinnert das „Grävenitz“, ein Café mit Bar und einem kleinen zum Hof gelegenen Biergarten, an die umtriebige Reichsgräfin.

Eingang zum Ludwigsburger Theatermuseum. Foto: Ulrich Horb
Eingang zum Ludwigsburger Theatermuseum. Foto: Ulrich Horb

Schon Herzog Eberhard Ludwig hatte 1729 bis 1733 ein Schlosstheater errichten lassen. Herzog Carl Eugen kümmerte sich in der Folge um Bühnentechnik und Inneneinrichtung. Damit ist das Ludwigsburger Schlosstheater heute Europas ältestes Schlosstheater mit original erhaltener Bühnenmaschinerie. Ein Theatermuseum zeigt  – bei freiem Eintritt –  die Funktion der Bühnentechnik am Modell und präsentiert Geräuschmaschinen. Rund 140 Kulissenteile aus dem 18. und 19. Jahrhundert erinnern an lange vergangene Aufführungen. Als Kind verbrachte Friedrich Schiller einige Zeit mit seiner Familie in Ludwigsburg und besuchte die Lateinschule.  Der Dichter und Pfarrer Eduard Mörike wurde 1804 hier geboren.

An die 1883 errichtete und beim Novemberpogrom 1938 von den Nazis zerstörte Synagoge an der Alleestraße erinnert heute ein Gedenkort, der die Umrisse des ehemaligen Gebäudes als Muster im Steinboden aufzeigt. Auf gegossenen Nachbildungen von Koffern sind die Namen von deportierten und ermordeten Juden festgehalten. Die Gestaltung des Platzes erfolgte 2014.

Gedenkort am Platz der früheren Synagoge in Ludwigsburg. Foto: Ulrich Horb
Gedenkort am Platz der früheren Synagoge in Ludwigsburg. Foto: Ulrich Horb

Das Stadtbild Ludwigsburgs ist auch heute noch geprägt vom größten barocken Schloss Deutschlands mit seinen 452 Räumen und seinem prachtvollen Garten mit der Gartenschau „Blühendes Barock“. Gut 90.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben in Ludwigsburg, die Stadt ist Medienzentrum und Hochschulstandort. In der MHP-Arena in der Nähe des Bahnhofs verfolgen regelmäßig einige tausend Zuschauerinnen und Zuschauer die Basketball-Spiele der MHP Riesen. Zu den „Ludwigsburger Schlossfestspielen“  im Sommer kommen zahlreiche Touristen, auch zum winterlichen Barockweihnachtsmarkt auf dem von dem Italiener Donato Giuseppe Frisoni im 18. Jahrhundert entworfenen Marktplatz mit seinen Arkadenhäusern.

Ein wichtiger, wenn auch nicht wirklich anheimelnder Ort ist der Bahnhof. In einer knappen Viertelstunde gelangt man von hier mit S- und Regionalbahnen nach Stuttgart, wichtig für viele Pendler, die dort Arbeit, aber keine bezahlbare Wohnung gefunden haben. Ludwigsburg ist für sie ein angenehmes Ausweichquartier. In der Fußgängerzone zwischen Bahnhof und Markt sind zahlreiche kleinere Geschäfte, Cafés und Restaurant und ein Einkaufszentrum. Die durch eine Unterführung erreichbare gegenüberliegende Seite vom Bahnhof ist modern gestaltet und von der MHP-Arena und einem neunstöckigen Hotel bestimmt.

Bildergalerie Ludwigsburg

Eintritt zum Schloss: Erwachsene 7,00 €, ermäßigt 3,50 €, Familienkarte 17, 50 €.
Mehr Informationen: https://www.ludwigsburg.de